Freunde des Orients – Feinde Israels

Auf dem diesjährigen „Reise-Show-Festival“ der Lichtbildarena an der Universität Jena sind auch die „Freunde des Orients e.V.“ mit einem Stand vertreten. Der übliche Ethno-Kitsch der Veranstaltung wird dieses Mal um eine politische Note ergänzt, denn die ominösen Freunde des Orients machen klar, dass sie vielmehr Feinde Israels sind. Neben der wörtlichen Aussage, dass Israel nicht zum Orient gehöre, weisen vor allem die Symbole und Fahnen ihres Infostandes in eine eindeutige Richtung. Außer dem üblichen Palestine-Krimskrams, wie bedruckten Geldbörsen und Perlenketten in entsprechenden Farben, prangen mehrere Palästina-Fahnen und Schals hinter den Leuten. Besonders auffällig sind dabei Abbildungen auf den Schals, auf denen auf der einen Seite die al-Aqsa-Moschee dargestellt ist und auf der anderen Seite der Staat Israel auf der Karte fehlt. Hier wird deutlich, dass nicht „nur“ – wie so oft – Jerusalem oder der Westbank als palästinensiches Territorium beansprucht wird, sondern direkt der gesamte israelische Staat delegitimiert, ja, von seiner Nichtexistenz geträumt wird. Weder die darauf angesprochenen Veranstalter noch die „Freunde des Orients“ waren bereit, diese offensichtlich antisemitischen Symbole zu entfernen.
Zusätzlich zu ihrer eindeutigen Israelfeindschaft glauben die „Freunde des Orients“ auch noch an die Mär vom Genozid in Gaza und der angeblich „illegitimen Besatzung“ durch Israel. Dass solche Dämonisierung Israels ein Element in direkter Tradition des klassischen Antisemitismus ist, will dort niemand wahrhaben. Dass dann noch im Gespräch eine Trennung von Juden und Israelis vorgenommen wird, hat die alleinige Funktion, sich nach außen von jenem Antisemitimus freizumachen, den man dennoch vehement vertritt. Das Bild wird durch Parteizeichen der terroristischen PLO, T-Shirts mit dem Konterfei des Schwulen- und Frauenhassers Che Guevara und dem Ausstellen von Kufiyas, den Bluttüchern des islamischen Antisemitismus, vervollständigt. Mit dem Existenzrecht Israels hätten diese Leute nach eigener Aussage allerdings „nichts am Hut“. Passend dazu teilen sie mit ihrer Facebookpräsenz Artikel, in denen zum Dialog mit der faschistischen Terrororganisation Hamas aufgerufen wird.
Es ist abscheulich, dass an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Platz für derart antisemitische Ausschweifungen ist. So etwas darf, ausgerechnet an einer deutschen Universität, die sich selbst als weltoffen und tolerant gibt, nicht geschehen! 
Kein Friede mit den Feinden Israels. Am Israel Chai!

Was ist das für 1 Unsinn?

Für Frieden einzustehen scheint so natürlich, wie für das Leben selbst einzustehen. Niemand kann ernsthaft dagegen sein. Und doch ist es leider nicht so einfach, denn was der eine Frieden nennt, das kann für den anderen die reinste Horrorszenario sein.

So auch hier. Denn diese Demonstration ist keine für den Frieden, sie ist eine für Tyrannei und Chaos. Das liegt vor allem daran, dass die Weltsicht der Veranstalter durch eine pseudo-marxistische und stark von völkischen Bewegungen beeinflusste Ideologie namens „Anti-Imperialismus“ extrem verzerrt ist.
Daher wollen wir ein paar hier verbreitete Verrücktheiten einmal richtigstellen.
Erstens: Die Nato führt keinen Krieg in Syrien. Einige Staaten des Westens engagieren sich militärisch in Syrien. Ihre Nato-Mitgliedschaft ist dabei so relevant wie ihr Gesundheitssystem. Überhaupt erwähnt wird sie wohl nur, weil für Leninisten die Nato scheinbar noch immer der geheime Machtapparat der Weltkapitalistenklasse ist. Das zweifelhafte Engagement Russlands dagegen bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, schließlich ist das eigentliche Verbrechen für die Friedens- und Diktator-Freunde, dass Teile des Westen versucht haben demokratische Kräfte zu unterstützen.
Zweitens: Moderne Kriege sind keine Raubzüge. Und das nicht nur, weil sie so absurd teuer sind, sondern eben auch weil unter der Bedingung eines weitgehend durchgesetzten Weltmarktes es nichts zu rauben gibt. Keine militärisch verwaltete Kolonie wäre auch nur annähernd in der Lage irgendwelche Rohstoffpreise zu senken. Moderne Kriege werden aus vielen Gründen geführt: Nationale Sicherheit, Stärkedemonstration oder Idealismus. Aber nicht um Rohstoffe und Handelswege zu sichern oder für die Profite der Rüstungsindustrie. Wie bei „der Nato“ wird auch hier durch „die Konzerne“ ein Feind herbei konstruiert, der scheinbar im Hintergrund wirkt, aber in der komplexen Realität kaum eine Rolle spielt.

Ebenso wie von ihrem verzerrten Feindbild scheinen die Veranstalter offensichtlich von einer Idee beseelt, die man, wäre sie nicht so grausam und menschenverachtend, nur für einen Witz halten könnte. So behaupten sie ernsthaft, in Afghanistan oder Mali sei die Menschrechtssituation seit den Interventionen westlicher Staaten nicht besser geworden, was nicht nur eine glatte Lüge, sondern auch eine absurde Verharmlosung der jeweiligen islamistischen Terrorherrschaft ist. Aber für den blutigen Wahnsinn islamistischer Banden interessieren sich die angeblich so friedensbewegten eben so wenig, wie für deren Kriegstreiberei. Schuld am Krieg ist immer der Westen, egal wie weit hergeholt es ist.

Um es ganz klar zu sagen: Die Westlichen Demokratien sind die einzigen Staaten der Welt, die ein Interesse an langfristigem und stabilen Frieden haben. Mit Tyrannen und Wahnsinnigen kann es keinen Frieden geben, so sehr man auch möchte. Der Westen hat auch nicht irgendwie „Schuld“ am um sich greifenden Islamismus. Djihadisten sind keine Söldner, die heute für den und morgen für jemand anderen kämpfen. Es sind Glaubenskrieger aus Gesellschaften, die eine solchen Wahnsinn für legitim halten und es todernst meinen mit ihrem Krieg gegen die Zivilisation der Ungläubigen.

In Deutschland bekommt diese Art des mörderischen Pazifismus noch mal eine besonders barbarische Note, befindet man sich doch im Nachfolge Staat jenes Reiches, dessen brutale militärische Niederringung nicht weniger bedeutet, als die Rettung aller menschlicher Zivilisation. Auschwitz ist von Soldaten der Alliierten befreit worden und nicht von deutschen Demonstrationen für den Frieden. Das sollte man bedenken, wenn man Frieden um jeden Preis fordert.

Während Frieden für diese Demonstration also Waffenstillstand mit Terrorbanden und Tyrannen bedeutet, sagen wir: Barbarei und Wahnsinn zurückdrängen! Zivilisation verteidigen und ausbauen! – Kurz: Den westlichen „Imperialismus“ stärken! Das ist der Weg zum Frieden!

Die große Volksgemeinschaft gegen Rechts

Wenn sich in Jena die politische Rechte regt, egal ob gestandene Nationalsozialisten oder die Rechtspopulisten von der AfD, gibt es immer volksfestartiges Spektakel. Gegenveranstaltungen aller Art und hunderte engagierter Bürger protestieren oft relativ ausgelassen gegen die Veranstaltungen von z.B. Thügida oder der AfD.

Vermutlich ist dies tatsächlich besser als etwa in Orten wie Greiz festzustecken, wo ein Bekenntnis gegen Rechts mehr Misstrauen als Jubel hervorruft. Und dennoch ist mitdiesem breiten fröhlichen Engagement, dass die peinliche Verbissenheit autonomer Antifas längst an den Rand vieler Gegenproteste gedrängt hat, nicht einfach alles in Ordnung.

Denn im Schunkeln der im Kampf gegen Rechts vereinten Bürger, leben nicht nur provinzieller Lokalpatriotismus, der Wunsch nach einem vereinigten Volk und dümmste Vorurteile gegen Rechte auf, sondern inwischen wird sogar der Nationalgedanke selbst unter dem Motto „Wir sind das wahre Deutschland“1 versucht gegen die Rechten in Stellung zu bringen.

Der Ausfall Lothar Königs steht beispielhaft für die Krux aller Volksbewegungen gegen Rechts. Im Versuch die Stadt xy für Nazifrei bzw. einig gegen Rechts zu erklären verschwindet die so wichtige inhaltliche Auseinandersetzung mit völkischem Gedankengut. Man beginnt mit den Nazis zu konkurieren statt sie zu bekämpfen und das bedeutet man bewegt sich auf sie zu.

Eine seelige Ignoranz gegenüber einer inhaltlichen Bestimmung von Nationalsozialismus trifft dabei genau den aktuellen deutschen Zeutgeist, der „Refugees Welcome“ für die Anti-Nazi Parole schlechthin und das ekelhafte Machwerk „Unsere Mütter unsere Väter“ für „Auseinandersetzung mit der Vergangenheit“ hält.

Und auch die radikale Linke, die für sich gerne beansprucht die „Alternative“ zu sein, übt sich in Ignoranz. Als wäre seit den 30ern nichts weiter passiert halten die meisten radikalen Linken jedweder coleur noch immer die These hoch, dass man „eigentlich“ etwas gegen den Kapitalismus machen müsste, denn der sei irgendwie, je nach Geschmack, entwederdurch Verschwörung oder mathematisch genau aus dem Warencharakter ableitbar, an den Nazis Schuld. Eine pflichtschuldige inhaltliche Beschäftigung mit Faschismus passiert wenn überhaupt meist nur als Beweisführung, dass nur der Sozialismus wirklich in der Lage wäre Nazis langfristig zu bekämpfen. Im Zweifelsfall sind eben blödsinnige pseudo-antikapitalistische Symbolprojekte wie Hausbesetzungen wichtiger, als die Kritik am faschistischen Potential eines Durchschnittsbürgers.

Kein Wunder also, dass in einer solchen Volksfront gegen Rechts viele Programmpunkte moderner Nationalsozialisten breiten Anklang finden. Feindschaft gegen Israel und die USA, eine gewisse Sympathie für verschiedene Autokraten, von Putin bis Khomeini, oder einfach ein Fixierung auf „Wir“-Gefühl und persönliche Aufwertung durch Aktion im Kollektiv.

All dies ist weder neu, noch besonders überaschend, immerhin ist Jena eine Stadt die seit Jahren vom modernen Vorbild-Antisemiten Albrecht Schröter regiert wird oder in der Uni-Lehrstühle wie der für Konfliktpsychologie dubiose Gedenkveranstaltungen für „alle“ Opfer des Konfliktes in Gaza veranstalten. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Sofern man also wirklich etwas gegen Faschismus tun möchte, sollte man sich ernsthaft überlegen den Spektakeln gegen ein paar weitgehend handlungsunfähige Nazis fernzubleiben und anfangen über jene zu erschrecken, die sich berufen fühlen, für ihre Stadt oder ihr Land gegen Nazis auf die Straße zu gehen.

 

1Lothar König auf einer Veranstaltung gegen den Thügida Aufmarsch in Jena am 20.07.2016

Mala fide – Von einem der es nicht lassen kann

Ein Journalist nannte ihn den „Prototypen des neuen deutschen Antisemiten“. „Wie man darauf eingentlich kommt“, wo er sich doch so für Israel engagiere, will der Jenaer Bürgermeister auf einer Veranstaltung des jüdischen Kulturvereins in Jena wissen. Man könnte zum Beispiel darauf kommen, indem man die Kategorie „Gründungsmitglieder“ auf der Seite des BiB, dem Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung, anklickt. Denn dort liest man unter anderem den Namen Albrecht Schröter.

Warum sich in Zeiten des Islamischen Staates, des syrischen Bürgerkrieges, der drohenden iranischen Atombombe, der russischen Expansion, des Fortbestands der Volksrepublik Nordkorea, den Lebensbedingungen von Wanderarbeitern in China oder auch nur des Rechtsrucks in Europa ein Verein gründet, der es als äußerst dringlich empfindet, dass die Israelische Besatzung beendet wird, sei noch einmal großzügig als persönlicher Spleen abgetan.Die Erfahrung lehrt, dass bei einer solchen Organisation die üblichen, aufgewärmten Gerüchte über die Juden, die unhinterfragten Lügen verschiedener palästinensischer Organisationen sowie Halbwahrheiten über die Geschichte Israels präsentiert werden. Und genau das ist Fall. Das Ganze natürlich wie immer im Namen des Friedens.

Völkerrecht, Völkerrecht, Völkerrecht…

Deutsche Friedenspläne sind nicht unbedingt dafür bekannt kleine Brötchen zu backen. Und so ist eines der liebgewonnenen moralischen Geschütze auch bei dem BiB das Völkerrecht. In annähernd jedem Absatz und jedem Lebenslauf wird das Schild des Völkerrechts hochgehalten. Die Lage scheint eindeutig.

Aber um es einmal ganz klar zu sagen, das internationale Recht („Völkerrecht“ ist nur sein germanischer Kosename) ist selbst nach der Logik der Palästinafreunde eine denkbar schlechte Instanz ihrer Sache. Mehr noch legt es in vielen Punkten genau das Gegenteil dessen nahe, was uns die Hobbyexperten des Themas weismachen wollen. Und das obwohl die UNO für ihre Antisemitischen Ausfälle hinreichend bekannt ist.

Nach internationalem Recht handelt es sich bei Judäa und Samaria um Gebiete, die zwischen 1949 und 1967 rechtsswidrig durch Jordanien besetzt und durch den Sechs-Tage-Krieg durch Israel zurückerobert wurden. Gleichzeitig handelte es sich bei dem Sechs-Tage-Krieg nach einhelliger Ansicht der internationalen Gemeinschaft 1967 um einen Verteidigungskrieg, weshalb die Gebietsgewinne völlig konform mit internationalem Recht sind (wie auch die Golanhöhlen und die zurückgegebene Sinai-Halbinsel). Deshalb ist auch der Abzug der israelischen Truppen aus den umstrittenen Gebieten zwar durch Resolutionen empfohlen, aber stets unter der Bedingung der Achtung der Souveränität und territorialen Unversehrheit der (anerkannten) Staaten der Region zu sehen. Daraus folgt, dass auch die Besiedlung durch israelische Staatsbürger in den Gebieten völkerrechtlich kaum angreifbar ist. Es ist in etwa so absurd die Ursachen des Konflikts in der sogenannten Besatzung zu sehen, wie Israel das Scheitern des Oslo-Abkommens vorzuwerfen, welches einseitig von Abbas aufgekündigt wurde. Ist die Idee eines im wesentlichen „judenfreien“ Palästinensergebiets ohnehin von einem gelinde gesagt groben Doppelstandard gegenüber Israel geprägt, so ist auch der Witz vom „Landraub“ eigentlich nur nach einer „Blut-und-Boden“ Idee stimmig.  Tatsächlich werden Gebiete für Wohnhäuser, in denen auch Juden leben dürfen, wie überall sonst auch gepachtet oder gekauft. An Surrealität noch übertroffen wird das Gefasel über Landraub nur von dem über den angeblichen Wasserraub. Weniger Wasser (so viel weniger nun auch nicht) steht den Palästinensern allerdings vor allem deshalb zur Verfügung, weil die Autonomiebehörde unfähig ist, trotz großzügiger Angebote der internationalen Gemeinschaft, ein Netz von Wiederaufbereitungsanlangen zu etablieren. Aber auch daran sind sicher irgendwie die Juden schuld.

Die Konsequenz aus all diesem Unsinn ist also, dass nicht der eiserne Wille vieler Palästinenser, möglichst viele Juden zu töten, ein Hindernis für den Frieden ist, sondern die Tatsache, dass sie keine vernünftige Chance dazu haben, weil Israel als stärkere Partei ihnen da nicht wirklich Raum lasse. Dementsprechend wird tatsächlich neben dem Ende der Besatzung gefordert, die Blockade des inzwischen siedlungs- und damit judenreinen Gazastreifens aufzuheben. Dort herrscht noch immer die nicht gerade für ihren Völker- und Menschenrechtsaktivismus bekannte Gruppe „Hamas“ und gibt eine Vorschau darauf, was ein Ende der Besatzung bedeuten könnte. Wie genau es dem Frieden helfen soll, wenn auch das Westjordanland ein solider Rückzugsraum zum töten israelischer Jugendlicher wird, ist allerdings nicht ganz ersichtlich und scheint für das Bündnis ein völlig anderes Thema zu sein. Denn auch warum Wohnhäuser von Juden im Westjordanland eigentlich vom Militär geschützt werden müssen, interssiert im Gegensatz zu den angeblich bestialischen Maßnahmen zu ihrem Schutz, nicht weiter. Juden, dass weiß man ja, sind halt im Gegensatz zu Spinnern mit Küchenmesser, die wahren Monster.

Verdrängtes kehrt wieder

Es geht dem Verein jedoch noch um etwas anderes, als das Wiederkäuen billiger Propaganda. Es geht auch um die Königsdisziplinen der Nachkriegsdeutschen Antisemiten. Die Rede ist von Schuldabwehr.Zu dem Spekulationen über falscher Zurückhaltung und einer angeblichen Doppelzüngigkeit der Medien, die nicht nur absolut irreal, sondern auch noch echte antisemitische Klassiker sind, gesellen sich noch ein paar neue deutsche Großmachtsfantasien. Nebenbei wird fallengelassen, dass die „Interessen Deutschlands im Nahen Osten und der internationalen Politik“ eben andere seien und folglich Israels Sicherheitspolitik da mal zurückstecken müsse. Ganz ungeniert wird behauptet Deutschland nehme eigentlich eine viel wichtigere Rolle in der internationalen Politik ein, die ihm aber im Fall der Israelis verwehrt bliebe. Woran das liegen könnte, weiß keiner der selbsternannten Experten in „Judenfragen“ so richtig. Denn die Shoa nimmt für das Bündnis keine besondere Stellung ein. Stattdessen spricht man von einer ominösen „Jahrhundertelangen Verfolgung im christilichen Europa“, die Deutschland praktischerweise nicht mehr direkt erwähnt und zieht irrwitzigerweise den Schluss daraus, dass das Leid der Juden vor allem bedeuten würde, dass man zum Leid der Palästinenser nicht schweigen dürfe. Eine Logik, die aus den Opfern, die sich gegen die fortgesetzte Verfolgung wehren, die eigentlichen Täter macht. Noch so ein antisemitischer Klassiker.

Den Autoren kommt offenbar, gerade weil sie versuchen sich moralisch geläutert zu geben, der Judenhass so sehr aus jeder Pore, dass man selbst unter größten Anstregungen nicht in der Lage ist, auch nur einen Absatz ohne offen antisemitische Ressentiments zu produzieren. Dessen sind sie sich vermutlich nicht einmal bewusst. Aber keiner erschrickt darüber, dass es ihm, trotz des mit Händen zu greifenden Wahnsinns vieler Israelgegner, vollkommen logisch scheint, das die Juden irgendwie das Problem sind. Dass trotz z.B. der sehr eindeutig verlaufenen historischen Friedensgespräche nicht einmal erwähnt wird, dass der Antisemitismus vieler Palästinenser ein Problem sein könnte. Das ist nicht bloß unsachlich, das grenzt an Verleumdung. 

Neu sind die Tendenzen Schröters und seiner Freunde selbstverständlich nicht. Er hat seine Welt- und Selbstsicht mehr als einmal ausführlich dokumentiert. Genauso hat es sich gezeigt, dass seine Wähler ihn nicht trotz, sondern wegen solcher Anwandlungen wählen. So mag man Schröter zwar besonders nervig finden, weil er scheinbar bereit ist alle seine, nicht unerheblichen, persönlichen Ressourcen für sein Projekt einzusetzen, aber in kritischer Absicht denunzierbar ist er in solchen Verhältnissen allgemeinen Wahnsinns wohl kaum. Schade, aber was solls. Niemand kann sagen wir hätten ihn nicht gewarnt.

Parthenopes Gesang

Resümee und Kritik des aktuellen Feminismus

Aus Anlass des Weltfrauentages haben wir uns in Kooperation mit der „Action Antiallemande Saalfeld“ mit dem aktuellen Feminismus befasst.

1. Worüber nicht mehr geredet wird – Die Reste der Postmoderne

Obwohl es insbesondere in linken, feministischen Kreisen inzwischen en vogue ist postmoderne Denkansätze zumindest formel- und bekenntnishaft abzulehnen, ist viel von dem Denken der verqueren Machtphilosophen in den Theorien hängengeblieben. Vom fast durchgesetzten „Gendern“ von Texten, über den Glauben an politische Korrektheit, bis zu dem Witz vom Sprechort hat eigentlich alles irgendwo seinen Platz gefunden. Vor allem im Antirassismus und natürlich im Feminismus. Zwar wendet sich letzterer, insbesondere in Kreisen die sich „materialistisch“ dünken, von Konsequenzen wie der Queer Theory ab, die immerhin glaubt, man könne sein Geschlecht selbst weitgehend frei erschaffen. Doch die Toleranz für diesen Unsinn ist auch bei ernsteren Feministen erstaunlich hoch, wenn nicht sogar im Sinne eines feministischen Korpsgeistes jede Kritik an den Pronomenbastlern zurückgestellt wird. Dies ist deshalb möglich, da vor allem zwei Denkansätze stillschweigend Eingang in viele feministische Ideologien gefunden haben.

Da wäre die Idee von der Macht der Sprache. Obwohl eigentlich kaum einer mehr glaubt, dass Worte Zauberformeln sind, welche die Realität erschaffen, hält sich das Gerücht von ihrer politischen Macht sehr hartnäckig. Obwohl sich also gescheut wird, die Konsequenz zu ziehen und Sprache zur Magie zu erklären, wird sie doch weiter als immer unmittelbares Zeichensystem gesehen. Darin zeigt sich vor allem eine Feindseligkeit gegen aufklärerisches, das heißt abstrahierendes Denken. Denn die Sprache als etwas abstraktes, uneindeutiges zu betrachten, widerstrebt vielen, die ihre Identität hauptsächlich daraus gewinnen, auf ein falsches Wort des Gegenübers zu warten und tiefer gehende Auseinandersetzungen mit dem Gesagten selbst, jenseits der Verkündigung bloßer Befindlichkeit, gerne aus dem Weg gehen. Kaum verhohlen wird dabei die Lust, die einem die über die Worte vermittelte, eingebildete Macht verschafft und die so mancher bei Gelegenheit in reale Gewallt umschlagen lässt. Aber auch weniger simplen Gemütern bereitet die Abstraktheit der Sprache Schwierigkeiten. So wird gerne angeführt, dass doch z.B. das Wort „Zimmermann“ statistisch eindeutig eher männliche Assoziationen hervorruft als eine vergleichbare geschlechtsneutrale Bezeichnung. Da läge es doch scheinbar nahe das Wort zu ersetzen. Hier wird dem Wort eine unheimliche Macht zugesprochen, die jedoch aus den Menschen selbst kommt. Die Irritation, die ein Satz wie „Lotte wird Zimmermann“ auslöst, kommt höchstens aus dem Weltbild des Hörers, nicht aus den Zeichen selbst.

Doch zuzugeben, dass Worte an sich keine Macht über die Welt haben, ist nicht leicht. Viele büßen so ihr liebstes „politisches“ Betätigungsfeld ein, in dem sie sich, schwelgend in ihrer fantasierten Potenz, vorgemacht haben, etwas anderes zu tun, als sich selbst das abstrakte Denken zu versagen. Ein notwendiger Schmerz, den eigentlich alle Menschenkinder erfahren haben sollten als sie feststellten, dass die Welt um sie herum nicht wirklich verschwindet, wenn sie die Augen schließen. Sprachpolitik macht es sich in ihrer halluzinierten Macht einfach um der zähen und schwierigen Diskussion über die Verhältnisse, in denen wir leben, auszuweichen. Und auch wenn jeder sich wünscht die Welt ein bisschen besser zu machen, mit ein bisschen Sprachpolitik wird das sicher nichts.

Zwar nicht direkt auf Worte und Zeichen abzielend, aber in ein ähnliches Horn stoßend, ist die zweite wichtige Denkstruktur der Postmoderne, die im Feminismus sehr weit verbreitet ist: der Subjektivismus. Ob als plumper Rückzug auf das eigene Empfinden oder als wirre Aufzählung allgegenwärtiger Gängelung, ist die Verabsolutierung des subjektiven Empfindens nicht nur eine wichtige Legitimation für viele Feministen, sondern über den Code des „Sprecher_*°Innenstandortes“ auch eine zentrale Abwehrstrategie gegenüber der Kritik unzureichend theoretisch unterfütterter Weltanschauungen. Zwar gehen nicht mehr viele Feministen so weit zu behaupten es gäbe keine oder gar mehrere Wahrheiten, aber die Erhöhung des subjektiven Leids von einer zu sublimierenden Motivation zu einem ständigen und unmittelbaren Programm, zielt auf den Kern des Feminismus. Eine solche Sichtweise gewinnt ihre Attraktivität vor allem aus dem Legitimationsproblem, das ein feministisches Anliegen in formell gleichberechtigten Gesellschaften bekommt.

Keineswegs handelt es sich dabei um ein Phänomen veralteter Theoriebildung. Auch jene, die sich um komplexere Patriachatsanalysen bemühen, fallen immer wieder auf das vermeintlich allgemeine Leid ihrer kollektiven Identität zurück, da sich, der Abstraktheit der Sache entsprechend, aus der Analyse selbst die eigene offene oder versteckte Parteinahme für das unterdrückte „Weibliche“ kaum begründen lässt. Der Idee, dass sich aus den Lebensumständen ein unmittelbares Interesse bestimmen lässt, ist der Gedanke eines in sich widersprüchlichen Individuums, das gerade weil es kein von außen leicht erkennbares, in sich ruhendes ist, von sich selbst zum Teil absehen muss, um zu allgemeiner Erkenntnis zu gelangen, zuwider. Das Vorgetragene oder „erlebte“ Leid kann daher nicht als Widerstand des Individuums gesehen werden, sondern muss sein Subjekt auf ein soziologisches Exemplar reduzieren, um auf diese Weise unvermittelt jedes komplexe Problem zu einem Akt politischer Unterdrückung durch das Patriarchat zu vereinfachen. Einem solchen Denken entspricht auch der Genderbaukasten, der aus jedem Begehren eine Sexualität zimmert und die so Katalogisierten ebenso wie ihre feministischen Unterstützer mit erstaunlicher Effektivität dazu anhält, stets wie das eigene Klischee zu reden, zu handeln und auszusehen. Gerne und viel wird auch von scheinbar aufgeklärteren Feministen jede Versagung in das vorgefasste Urteil über die Gesellschaft eingefügt. Doch Anerkennung des erfahrenen Leids nicht als vermitteltes Individuum einzufordern, sondern bloß als quantifizierbare soziologische Größe, leistet eben stets nur dem allgemeinsten Vorurteil Vorschub. Nichts trägt der „#yesallwoman“ Unsinn zur Verbesserung eines einzelnen Lebens bei. Die komplizierten und uneindeutigen Umstände, die sich auch im Individuum selbst widerspiegeln, interessieren jene, die bei jedem aufkommenden Zweifel ihre billigen Klischees der tausenden, geschlechtsspezifischen Respektlosigkeiten aufzählen, nicht. Es geht ihnen nicht um den schwierigen Akt der Analyse der Gesellschaft. Es geht ihnen um die gegenseitige Versicherung der kollektiven Erfahrung, der künstlichen Einheit im Kampf. Es geht um ihre Identität.

Es braucht also gar nicht die mit Händen zu greifende, christliche Leibensverachtung der Queers, Trans und Fluids. Der Wahnsinn, der diese zur Negation ihrer Individualität treibt und im immer ganz unmittelbaren Kollektiv der Leidensgenossen aufgehen lässt, ist längst tief in feministische Grundpositionen eingesickert, war der Boden dort für solche Ansätze doch schon immer fruchtbar. So ist wenig überraschend wie wenige Feministen diese Tendenz kritisieren oder wie viele sich sogar mit dem Wahnsinn solidarisieren.


2. Die gefühlte Unterdrückung – Warum es keinem besser geht und niemand glücklich ist

Sowie ein Leierkasten stets zuverlässig das gleiche Lied immer und immer wieder spielt, kann man auch von Feministen und ihren Mitstreitern stets die gleiche Leier hören, wenn es darum geht, die Grundannahmen des Feminismus zu erörtern. Manche versuchen sich anfangs noch daran ausgehend von den abstrakt vermittelten Herrschafts- und Unterdrückungsbeziehungen zu argumentieren, gelangen aber früher oder später zwangsläufig an einen Punkt, an welchem sie auf die Empirie zurückgreifen müssen, da sie, wenn sie es auch nicht immer eingestehen, doch einsehen müssen, dass in unserer voll vergesellschafteten Gesellschaft jeder mies dran ist, und dass das Kapital keinen Hehl um das Geschlecht macht. Wenn dieser Moment erreicht ist, werden dann Statistiken herangezogen, um die gefühlte Unterdrückung doch zu begründen.

Nicht nur, dass man hierbei oft Statistiken gewollt missversteht oder aus dem Kontext reißt, kann aus einer Empirie kein vernünftiger Schluss auf die negative Qualität der Gesellschaft gezogen werden, sondern sie ist lediglich ein partikulares Abbild eben dieser Gesamtmisere. Zudem lassen sich wohl ebenso viele Statistiken finden, die belegen, dass es Männern in vielen konkreten Situationen schlechter ergeht als Frauen (man schaue sich hier beispielsweise das Geschlechterverhältnis bei den deutschen Obdachlosen an, wo (weiße) Männer den Großteil ausmachen). Dass soll nicht heißen, dass Männer schlechter gestellt sind als Frauen, sondern dass es niemandem wirklich gut geht und im Gerede der vermeintlichen Unterdrückung von Frauen immer auch ein Stück Romantisierung des Lebens von Männern mitschwingt. Im Kapitalismus, in dem Glück nur als ein temporäres, subjektives erlebt werden kann und in dem jeder Mensch lediglich als Behälter von Arbeitskraft betrachtet wird, geht es allen im Grunde schlecht.
Die abstrakt vermittelten Beziehungen von Ausbeutung, Herrschaft, Unterdrückung und Entmenschlichung bedingen die Subjektformierung im Kapitalismus, sie bilden die Grundlage für die kapitalistische Charakterdisposition und machen aus Menschen Charaktermasken. Das Subjekt, welchen Geschlechts auch immer, muss sich Gewalt zufügen, um am Arbeitsmarkt bestehen zu können, das individuelle menschliche Leben wird verdinglicht zu einer Ware, welche objektiv am Arbeitsmarkt austauschbar ist.

In diesem Zustand der objektiven Überflüssigkeit, in dem das in Subjektform gepresste Individuum zum Humankapital verallgemeinert wurde, kehrt in der Betonung der eigenen Besonderheit, der Besinnung auf das Natürliche, auf das Körperliche, die freilich dazu dient den eigenen Marktwert zu steigern, die Heteronomie der ursprünglichen biologischen Abhängigkeit als verdinglichte wieder. Das Subjekt steht in einem unklarem Verhältnis zu seiner ersten und seiner zweiten Natur. Gerade der Naturmoment gerät besonders bei der Gendertheorie alla Judith Butler bewusst in Vergessenheit.
In der Annahme der Körper wäre allein im Diskurs, also in der zweiten Natur (der Gesellschaft) produziert, ist die Leugnung der Naturhaftigkeit des Menschen implizit. Das Ziel einer solchen Theorie, die verhindert, dass über die negativen und naturhaften Seiten der Körperlichkeit geredet wird, ist eine Welt ohne Körperlichkeit und folglich ohne Geschlechterdifferenz.

Doch auch ohne solche wahnsinnigen Theorien ist das Verhältnis des Subjekts zu seiner Natur in der Zivilisation durchaus unklar. Deutlich wird dies, wenn es in bürgerlichen Ideologien darum geht, was männlich und was weiblich eigentlich seien. Als männlich gilt vor allem die Verleugnung der ursprünglichen biologischen Abhängigkeit in gleichzeitiger Rückbesinnung auf das Naturhafte, also auf einen starken Körper, auf Muskeln etc. Als besonders weiblich gilt vor allem Tugendhaftigkeit, natürliche Schönheit und Reinheit, was sich auch in jeder Werbung für zeitgemäße Kosmetika widerspiegelt. Gleichzeitig müssen Männer aber auch „weibliche“ und Frauen „männliche“ Fähigkeiten besitzen. Das Subjekt ist somit gezwungen seine Naturhaftigkeit, oder die Überreste dieser, als Mittel im Konkurrenzkampf zu verwalten, was eine immer weiter anhaltende Entfremdung vom eigenen Körper bedeutet. Fazit – Politik mit dem eigenen Geschlecht machen, kann nur schief gehen.

Eine weitere feministische Impertinenz ist das Gerede von den „männlichen Privilegien“. Gemeint sind hier fast ausschließlich Dinge, die für aufgeklärte Menschen schlicht eine Selbstverständlichkeit darstellen sollten, die es gälte, für alle einzufordern. Beispiele, die hier zu nennen wären, sind: Freizügige Kleidung tragen ohne belästigt oder beschimpft zu werden, wütend sein und seiner Wut Ausdruck verleihen können (bei Männern umgekehrt: verletzbar seinen können, weinen…) und den Geschlechtsverkehr mit einer Person ausschlagen können, ohne Anfeindungen dafür zu bekommen. Das all dies für Männer und Frauen nicht immer im gleichen Maße möglich ist, muss hierbei nicht bestritten werden, dennoch ist die Herangehensweise an diese Problematik von Grund auf verkehrt. Das die eigentlichen Selbstverständlichkeiten in den bestehenden Verhältnissen alles andere als selbstverständlich sind, ist dabei natürlich unbestritten, doch ist das nicht nur in Bezug auf das Geschlechterverhältnis der Fall, sondern ein all umfassender Widerspruch. Diese bereits erwähnten Selbstverständlichkeiten werden wohlwollend im Jargon des Bestehenden zu Privilegien gemacht werden, um einerseits die „schlechtere Stellung“ von Frauen in der Gesellschaft zu bekräftigen, ja sie sogar überhaupt erst zu erzeugen und andererseits gegen etwas konkretes aufbegehren zu können. In der Konsequenz führt diese falsche Herangehensweise dazu, das Feindbilder konstruiert werden und sich die Wut über die abstrakten Verhältnisse gegen irgendjemanden entladen kann. Auch hier, gemeint ist bei dem Gerede über „Männerprivilegien“, zeigt sich letztendlich die Bereitschaft zur Projektion dessen, was man sich selbst wünscht, auf andere.

Eine wirkliche Überwindung von Unterdrückung und Ungleichheit, die nicht auf das partikulare sondern auf das Ganze abzielt, kann nur durch die Überwindung der kapitalistischen Verhältnisse und nicht in ihnen erreicht werden. Und bis dahin ist der partikulare Kampf der Feministen und ihrer Freunde gegen „das Patriarchat“ mit all seinen Auswüchsen ebenso zu kritisieren, wie der regressive Kampf der Linken gegen „den Kapitalismus“.

3. Genuin feministischer Antisemitismus

Es gibt einen gar nicht mehr so neuen Schrei, wenn es darum geht dem Antisemitismus in einem feministischem Kontext Geltung zu verleihen. Genannt wird dieser >Pinkwashing< und bezeichnen soll er den vermeintlichen Missbrauch der Homosexuellen(-rechte) für politische Zwecke, um sich quasi seine Weste wieder „weiss zu waschen“. Dass dieser Vorwurf gerade Israel trifft, ist wenig verwunderlich, ist es doch ein altbekannter, antisemitischer Reflex, dem Juden, oder hier dem Judenstaat, eine humanitäre Handlung nur zu Marketingzwecken zuzugestehen. Israel benutze die Homosexuellen dafür, seine Verbrechen an den Palästinensern zu kaschieren, heißt es in den Stellungnahmen jener, die dem israelischen Staate >Pinkwashing< vorwerfen. Dass Homosexuelle in Israel schlicht mehr Rechte haben als in allen anderen Staaten im Nahen Osten, weil Israel ein säkular verfasster, demokratischer Staat ist, findet in der Logik, dem einfachen gut/böse-Schema, der Antisemiten keinen Platz.

Der Antizionismus hat in der feministischen Linken eine lange Tradition. Seit Jahren kennen internationale Konferenzen von Feministen jeder Coleur eigentlich nur einen Konsens – Antizionismus. Obwohl es gerade für die Frauenbewegung weitaus relevantere Themengegeben gäbe. Dies liegt teilweise daran, dass in der Linken damals wie heute allgemein Antizionismus ein gewaltiges Problem darstellt, das noch immer geleugnet wird. Zwar hat man in der postnazistischen Linken gelernt, dass Antisemitismus irgendwie schlecht ist, verstanden hat man ihn deshalb aber trotzdem nicht. So ist es möglich den Antisemitismus zu verurteilen und gleichzeitig antisemitischen Denk- und Handlungsmustern anzuhängen.

Dass der Vorwurf des >Pinkwashing< ein originär feministischer bzw. queertheoretischer ist, wollen viele, auch antideutsche Anhänger des Feminismus, nicht hören. Trägt man ihnen es nun aber doch vor, wird der Antisemitismus fein säuberlich vom Feminismus abgespalten, man verortet und verharmlost ihn gern als „Überbleibsel aus der Linken“, aus der der Feminismus wohl zu kommen scheint. Das es allerdings einen genuin feministischen Antisemitismus gibt und es eben kein Zufall ist, dass sich massenhaft feministischer Verbände für antisemitische Kampagnen wie z.B. BDS aussprechen, wird völlig verkannt.

Der originär feministische Antisemitismus äußerte sich schon in den 50er und 60er Jahren, als die Frauenbewegung eigene Schuld- und Erinnerungsabwehrstrategien entwickelte, indem sie die Rolle der Frau im Nationalsozialismus versuchte zu relativieren und zu verdrängen. Man bediente sich der NS-Propaganda, um die Wirklichkeit abzubilden. Es wurde so zum Beispiel erklärt, dass die Frauen, soweit sie arischer Herkunft waren, im Nationalsozialismus eine gewisse Aufwertung erfuhren und quasi entsexualisiert worden seien. Sie hätten die Rolle der Hausfrau und Mutter gehabt. Dass Frauen im Nationalsozialismus durchaus Profiteure, Mörder etc. waren, wurde aufgrund der unkritischen Übernahme der nationalsozialistischen Propaganda fast gänzlich ausgeblendet. So wurde das Bild der „friedfertigen Frau“ konstruiert, die als „Hüterin des Blutes“ und Hausfrau friedlich Heim und Hof bestellte, während der Mann mordete.

Wenn man sich andernfalls doch eingestanden hatte, dass Frauen durchaus widersprüchliche Rollen im nationalsozialistischem Mordkollektiv inne hatten, wurde versucht diese weibliche Schuld zu relativieren, indem man es Frauen nicht wirklich zugestand, tatsächlich antisemitisch gewesen zu sein. Der Antisemitismus bei Frauen wurde als Folge der Identifikation mit männlichen Vorbildern aus Angst vor Liebesverlust erklärt und gerechtfertigt, die Frauen seinen zudem nur gehorsame Befehlsempfänger gewesen, die zusätzlich noch Angst vor der männlichen Autorität gehabt hätten. Selbst KZ-Aufseherinnen verklärte man zu von Männern instrumentalisierten Handlangern, sie wurden nie in der Rolle der aktiven, Eigeninitiative zeigenden Mörder, sondern stets nur als „Ausführende“, als Handlanger der Männer begriffen. Diese genuin feministische Übung in Schuld- und Erinnerungsabwehr vollzog die Täterinnen-Opfer-Umkehr und begriff die Frauen, egal welche Rolle ihnen im Nationalsozialismus zuteil war, stets als Opfer patriarchaler Herrschaft.

Dass der Antisemitismus bei Männern wie bei Frauen dazu dient, durch eine pathische Projektion unterdrückte Bedürfnisse zu befriedigen, wurde nicht auch nur erwähnt. Die Bedürfnisse unterscheiden sich aufgrund der negativen Qualität der Gesellschaft, welche es verlangt, dass Männer und Frauen unterschiedliche Bedürfnisse unterdrücken müssen, wesentlich. Frauen haben eine liebevolle, empathische, verständnisvolle Fassade und müssen Aggressionen etc. unterdrücken, da sie ihnen nicht zugestanden werden und schließlich als hinderlich für die Gesellschaft verworfen werden müssen. Bei Männern ist es gerade umgekehrt, ihnen wird die Aggression mehr zugestanden, sie müssen besonders stark, kaltblütig und tapfer sein. Somit werden die Bedürfnisse nach Unterwürfigkeit und Schwäche, weil sie als negativ und falsch empfunden und verinnerlicht wurde, unterdrückt. Diese unterdrückten Bedürfnisse werden im Antisemitismus, durch eine pathische Projektion auf eine negative Autorität befriedigt und ausgelebt.

Zu dem weiblichen Opfermythos, der in der Frauenbewegung gegen Ende der 80er Jahre angefangen wurde aufzuarbeiten und bis heute aufgearbeitet wird, gesellte sich der originär feministische Antisemitismus.
Dieser genuin feministische Antisemitismus besteht aus zwei wesentlichen Grundannahmen:
Erstens aus der Idee, das Judentum sei eine besonders patriarchale Religion, welche sich freilich bewusst oder unbewusst auch im >Pinkwashing< artikuliert, und zweitens aus der, vor allem von theologischen Matriarchatsforscherinnen getroffenen Annahme, das Judentum habe das Matriarchat zerstört.
Ersteres wird dann oftmals pathetisch aufgeladen und mit aktuellen Themen bestückt, wie es beim >Pinkwashing< zu betrachten ist. Israel wird es schon aus einem genuin feministisch-antisemitischem Prinzip her, dass eben das Judentum besonders patriarchal sei, nicht zugestanden, dass Rechte für Homosexuelle aus anderen, eben nicht marketing- oder imagetechnischen Gründen, installiert wurden. Hinzu kommt der anfangs erwähnte antisemitische Reflex, dass der Jude(nstaat) nur handelt, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.
Zweiteres ist zurückzuführen auf verschiedene Theorien von einem „weltumspannenden Matriarchat“, welches durch das Judentum zerstört worden sei. Die Verantwortung für die erniedrigte Stellung der Frau, welche sich im Begriff des Patriarchats manifestiert, wird dem Judentum zugeschrieben. Christina Mulack, eine Matriarchatsforscherin, nennt Jahwe, den Gott der Juden, in Anlehnung an diese Annahmen den „Mörder der Göttinnen“. In antisemitischer Manier wird diese Annahme schließlich zu einem Welterklärungsmuster funktioniert und, wie sollte es anders sein, dazu genutzt um die Shoah zu relativieren.¹

Auch die antisemitische Aussage, die Juden seinen selbst Schuld an ihrer Vernichtung, beziehungsweise die aktuellere Variante, die Israelis seinen selbst Schuld an dem Hass, der ihnen entgegenschlägt, findet seine originär feministische Begründung.
So wird zum Beispiel die Zerstörung des alten Israels in seinem Handeln selbst ergründet. Nicht nur, dass sich dabei vielen stereotypen Eigenschaften von Frauen („alles durchdringende Liebe“, Toleranz etc.) bedient wird um die „Verkommenheit“ des Patriarchats immanent zu skizzieren, bedient man sich ebenso antisemitischer Sterotype, wie dem des „wurzellosen Volkes“ und schlussfolgert letztlich, dass die Juden an ihrem Leid selbst die Schuld hätten.²
Bei den, den Frauen zugeschriebenen Eigenschaften (Mitgefühl, Fürsorge etc.), wird allerdings nicht erkannt, dass diese gesellschaftlich durch den Prozess der Zivilisation und der daraus resultierenden Selbstzurichtung und der Unterdrückung „störender und hinderlicher Bedürfnisse“ bedingt sind. Sinnbildlich steht dieser Glaube an das Matriachat für eine bessere Gesellschaft. Dabei schwingt jedoch immer auch der Glaube an das „Mutterrecht“, welches z.B. auf Johann Jakob Bachofen zurück geht und die Mutter als Lebensspenderin in einem mystisch-esotherischen Sinne als Oberhaupt der Familie sieht, mit.

Nun ist sicherlich anzumerken, dass diese zwei Grundannahmen, in denen der genuin feministische Antisemitismus begründet liegt, in ihrer Reinform im heutigem Feminismus kaum noch präsent sind. In der Postmoderne ist es eher eine Synthese aus der feministischen Schuld- und Erinnerungsabwehr und dem genuin feministischen Antisemitismus, die den Antizionismus der Frauenbewegung kennzeichnet. Es zeigt sich, dass der Antizionismus nicht schlicht ein „Überbleibsel aus der Linken“ ist, welches man versäumt hat aufzuarbeiten, sondern dass es durchaus einen genuin feministischen Antisemitismus, und folglich auch einen Antizionismus, gibt. So ist es kein Zufall, dass die meisten feministischen Gruppen sich als antizionistisch begreifen, sondern vor dem Hintergrund des, bewussten oder unbewussten, Glaubens an Mutterrecht, Matriarchat und an die an sich friedfertige und moralische Frau geradezu folgerichtig, dass sich Feministen in der überwiegenden Mehrheit einig darin sind, alles Schlechte im „gewaltvollem jüdischen Patriarchat“ zu verorten und sich in der Konsequenz als antizionistisch zu begreifen. So hat auch das >Pinkwashing< zu einem nicht unwesentlichem Teil seinen Ursprung in dem synthetisierten, postmodernen Produkt des originär feministischen Antizionismus.

Doch nicht nur in diesem Bezug, sondern auch in der Problematik versimpelter Denkstrukturen, konkret der personalisierten Patriarchatskritik, zeigt sich eine Form originär feministischen Antisemitismus. Viele Anhänger feministischer Theorien legen mittlerweile zwar ein Lippenbekenntnis zur Abstraktheit der Verhältnisse ab, wenn es aber darum geht, dass Patriarchat zu kritisieren bedient man sich relativ schnell wieder der personalierten Kritik und verfällt in einen Konkretionswahn. Ohne diese Repersonalisierung funktioniert das feministische Konstruktionsspiel auch nur schwer, bei dem aus der Empirie die gesellschaftliche Beschaffenheit geschlussfolgert und eben nicht die abstrakt vermittelten gesellschaftlichen Bedingungen als Grundlage gesehen werden, aus der die empirischen Erkenntnisse zu ergünden wären. So überrascht es auch wenig, dass die Abstraktheit der Verhältnisse nur in den seltensten Fällen konsequent als Ausgangspunkt einer Kritik des Patriarchats verwendet wird. Ein ähnliches Vorgehen kennt man von Kapitalismuskritikern à la Blockupy, die die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus auf den Bänker als vermeintlich Bessergestellten im Kapitalismus projizieren. Bei der personalisierten Patriarchatskritik zielt die Projektion auf „die Männer“ als die vermeintlich Bessergestellten im Patriarchat ab. Sicherlich bedienen sich nicht ausnahmslos alle Feministen dieser regressiven Patriarchatskritik, aber die Bereitschaft zur Projektion ist, spätestens im entrüsteten Griff zur Empirie, doch vorhanden. Weiterhin ist der Begriff des Patriarchats ohnehin undienlich, wenn es darum geht moderne Herrschaftsformen zu erklären, da die Gesellschaft nicht durch direkte, sondern durch ein abstrakt vermitteltes Abhängigkeitsverhältnis konstituiert ist. Das Geschlecht ist dem Kapital prinzipiell egal. Männer wie Frauen sind nur Produktivkräfte, Behälter von Arbeitskraft, die objektiv am Arbeitsmarkt austauschbar sind. Infolge dieser Subsumtion des Besonderen unter des Allgemeine, d.h. der Betrachtung aller Menschen als Behälter von Arbeitskraft, werden Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft und andere Merkmale von dem entscheidenden, ihrer Arbeitskraft, abstrahiert, solange das Subjekt den gesellschaftlichen Anforderungen entspricht.

4. Die Quadratur des Kreises – Kritische Theorie im Feminismus

Wenn von dem gescheiterten „Abrissunternehmen“, das die Antideutschen einmal darstellten, noch Spuren in der deutschen Linken zu finden sind, dann vor allem die Vorurteile, dass Israel irgendwie schon in Ordnung ist und alles besser klingt, wenn man es, wie absurd auch immer, zur kritischen Theorie der Frankfurter Schule hinzu dichtet. Selbstverständlich macht ein solcher Trend auch vor feministischen Kreisen nicht Halt, zumal es gut zu der schon länger vor sich gehenden Mode passt, verwandte Theorien wie vor allem die Psychoanalyse in aufbereiteten Bröckchen zu integrieren. Selten geht diese Integration anderer theoretischer Ansätze, auch gerne „Lesart“ genannt, über die narzisstische, feministische Vorstellung hinaus, zu wirklich allem etwas beizutragen zu haben – im festen Glauben die eigene wirre und vorurteilsbeladene Perspektive sei eine wahnsinnige Bereicherung für jede Theorie. Nicht nur Marx und Freud hat dieses Schicksal ereilt, längst schon sind auch Horkheimer und Adorno mit feministischen Erweiterungen ihrer Theorie beglückt worden. Beispielhaft dafür steht unter anderem das Magazin „outside the box“, für die das „Ziel kritischer Gesellschaftstheorie […] aufs engste mit der Problematik der Unterwerfung und Benachteiligung von Frauen verknüpft“ ist.
Vielfach wird sich in diesen Kreisen positiv auf die Dialektik der Aufklärung und darin vor allem das Kapitel über die Odysse bezogen. Aus diesem Kapitel wird gerne die Entstehung eines rationalen männlichen Subjekts, das oft relativ umstandslos mit konkreten Männern in eins gesetzt wird, als eines, das seine innere und äußere Natur und damit auch die mit ihr identifizierte Frau beherrschen will, hergeleitet. Womit eine „Unterdrückung“ der Frau als konkretem Wesen geradezu automatisch impliziert sei. Der Schluss, sich als vom die patriarchale Ordnung repräsentierenden Mann als „unterdrückt“ zu begreifen, ist allerdings sehr gewagt, weil selbst dann, wenn das „Weibliche“ einfach mit Natur identifiziert wird, die konkrete Frau ihr nie einfach zugerechnet wird, sondern sie stellt stets eine personell vermittelte Instanz dar, was ein wichtiger qualitativer Unterschied ist. Die Unmöglichkeit dieses Moment der Vermittlung im Einzelnen präzise zu erfassen stellt den wesentlich selbstreferentiellen Gegenstand feministischer Psychoanalyse dar.
Doch auch abgesehen davon beruht die Deutung des Odysseuskapitels als eines über den Ursprung der Geschlechterverhältnisse auf einem groben Missverständnis. Denn in dem Kapitel geht es mitnichten primär um die Aufrichtung männlicher Vorherrschaft, sondern um die Entstehung des bürgerlichen Subjekts, das Frauen durchaus mit einschließt, wird von ihnen doch die selbe Härte gegen sich selbst vollzogen, die das „Abenteuer“ vom Mann abverlangt. Um nicht dem triebbeherrschten bürgerlichen Subjekt zu unterliegen, muss die Frau selbst die Kälte des Vertrags in sich zulassen und ihren Platz in der bürgerlichen Ordnung reklamieren. Es ist dies die selbe bürgerliche Subjektivität, die aus dem naturverfallenen „Weib“ die bürgerliche „Frau“, die rationalen Verwalterin von Besitz und Fürsorge, macht. Anders ist nur das mystisch-negative Vorzeichen der Subjektwerdung. Soweit die Dialektik der Aufklärung.

Dieses mystische Vorzeichen, sich durch den Zwang des Mannes, nicht durch den der Natur, zivilisiert zu haben, begründete historisch eine Vorherrschaft des Mannes, die in ihrer archaisch, gewalttätigen Form dem Begriff der der „Unterdrückung der Frau“ oft noch am ehesten gerecht wird, eben weil Bürgerlichkeit noch weit davon entfernt ist gesellschaftliches Prinzip zu werden. Aus der Vorherrschaft wurde im Zivilisationsprozess ein bloßes Vorrecht, dessen endgültige Demontage, sollte keine gesellschaftliche Regression globaler Dimension eintreten, keine mit seinem Bestehen vergleichbar lange Zeit mehr auf sich warten lassen wird, ist sie doch zu allerwichtigsten Teilen längst vollzogen. Postmoderne und Queer Theory bieten längst ein Indiz dafür, wie weit die ohnehin nur idealtypische, niemals reale Zuständigkeitsordnung des bürgerlichen Subjekts in den je Einzelnen verlagert wurde und damit ganz den modernen Anforderung sozialer Flexibilität entspricht. Mit diesem Prozess wird sich auch die explizit feministische Psychoanalyse zunehmend erledigen, ist die Suche nach identitätsstiftenden Unterschieden in der Subjektivität angesichts der Größe der Gemeinsamkeiten, die noch zunehmen, wenn sie auch vermutlich aufgrund der realen körperlichen Unterschiede nie ganz verschwinden werden, zunehmend mit dem Zeichen der Vergeblichkeit belegt und hat eher etwas nostalgisches, als etwas erhellendes. Das „Weibliche“ zum „Anderen“ des patriarchalen Systems aufzublähen war von Anfang an Unsinn. Diese Tatsache macht eine explizit weibliche Befreiung völlig sinnlos. Die spezielle, wesenhafte Andersartigkeit des Weiblichen zu betonen, egal ob als Mann oder Frau, ist ein Versuch den Mythos und damit das ideologische Urteil über sich selbst, wahr werden zu lassen.

Sich selbst als das „Andere“ zur kalten Gleichgültigkeit des patriarchalen System zu inszenieren, findet vor allem deshalb Anklang, weil es eine bestimmte Wahrheit zu verarbeiten mag. Nämlich die, dass die aufgezwungene Rationalität der Gesellschaft schmerzt, weil sie aus sich selbst scheinbar nicht ohne Weiteres in der Lage ist, eine Versöhnung mit dem einzelnen zu erreichen. Und noch etwas anderes ist wahr. Je nach gesellschaftlicher Rolle schmerzt es an unterschiedlichen Stellen. Manches davon ist leichter zu ertragen, manches schwerer, doch quantifizieren lässt sich das Leid des Einzelnen kaum. Gerade weil das Prinzip des bürgerlichen Patriarchats von individuellen Besonderheiten absieht, eben weil sie eingepasst werden müssen, schmerzt es. Eine partikulare kollektive Identität als Opfer dieses Verhältnisses birgt in sich den Widerspruch, dass man eben nur deshalb leidet, weil sie selbst auch exekutiert. Jede Forderung, die also kein konkretes Individuum, sondern eine abstrakte Kategorie zur besonderen Befreiung ausschreibt, kann schon durch die Rationalisierung eines Individuums als Repräsentant einer tendenziell mystischen Gemeinschaft dem Begriff der Befreiung nicht gerecht werden.
So bezieht sich der feministische Ansatz, auch von aufgeklärteren Leuten wie von „outside the box“, nicht nur zu Unrecht auf die Dialektik der Aufklärung. Mehr noch, der ganze feministische Ansatz eines zur bürgerlichen Herrschaft noch hinzutretenden Patriarchats, sei es eng verschlungen als „warenproduzierendes Patriarchat“ oder fast losgelöst von einander in Ansätzen wie der „Intersektionalität“, steht nicht nur den Erkenntnissen der kritischen Theorie diametral entgegen, sondern verfehlt auch die Idee eines befreiten Individuums zugunsten einer pseudo-befreiten „Weiblichkeit“.
Richtig und wichtig bleibt es, für die Möglichkeiten und Sicherheiten des Individuums, des männlichen wie des weiblichen, einzutreten. Aus der kritischen Theorie der Gesellschaft lässt sich jedoch keine „zusätzliche“ patriarchale Gewalt, geschweige den ein quantifizierbarer subjektiver Leidensdruck zugunsten eines Geschlechts, ableiten. Wer Frauen als doppelt durch die bürgerliche Gesellschaft geknechtet sieht, ja gar als zur Kritik an dieser zuvorderst bestimmt und befähigt hält, der denkt tendenziell entlang letzendlich mystisch begründeter Vorurteile. Zu einer allgemeinen Emanzipation hat ein solches Denken im besten Fall nichts beizutragen, im schlimmsten Fall ergeht man sich in primitiven Utopien zur Vernichtung der Männlichkeit, die meist nur das Etikett ist, unter dem die regressive Feindschaft gegen die Bürgerlichkeit, die „Männlichkeit“ für Feministen repräsentiert, zum Ausdruck kommt.

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¹Konkret schrieb Christa Mulack in der feministischen Zeitschrift „Schlangenbrut“, die übrigens heute noch aktiv ist, dann: „Ich sehe keinen Unterschied, ob der Gottvater im Buch Ezekiel die Ausrottung von Frauen, Kindern und alten Leuten aufgrund ihrer unterschiedlichen Religion befiehlt oder ob Hitler und seine Handlanger die Ermordung der Juden fordern.“ Sie wolle nur die „Analogie der Denkstrukturen aufzeigen“, denn: „Schließlich sei der Holocaust nur eine von zahllosen Auswirkungen patriarchaler Denkstrukturen, die man nicht nur in der hebräischen Bibel finde und der nicht nur Juden zum Opfer gefallen seien, sondern vor allem Frauen. Sie alle seien in gleicher Weise tragische Opfer des Patriarchats.“
Vgl. Mulack, Christa: Kontrovers diskutiert, in: Schlangenbrut 22 (1988), S. 40-43, zit. nach: Heschel: Konfigurationen des Patriarchats, S. 178.

²“Für unsere moderne Problematik hat die Geschichte des ‚auserwählten Volkes‘ exemplarischen Charakter: Herausgelöst aus seinem Urgrund, verlässt dieses Volk die tolerante Weltanschauung seiner Mütter, verteufelt die alles durchdringende Liebe der matriarchalen Religion, spaltet zerstörerische Aggressionen ab und erkämpft mit einem brutalen ‚Ausmordungsprogramm‘ die Vormacht im Vorderen Orient. Auf der Kehrseite der Macht wartet die Ohnmacht. Israel wird verwüstet und hört als Staat auf zu existieren. Wir können diesen Weg als ein Lehrstück begreifen, das zeigt, wie der totale Machtanspruch zu Un-Heil und zu völliger Vernichtung führen muss.“
Weiler, Gerda: Ich verwerfe im Lande die Kriege. Das verborgene Matriarchat im Alten Testament, München

Furor Teutonicus

Über den Wahnsinn des Zentrums für politische Schönheit

Über sich selbst schreiben sie: „Das Zentrum ist eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit.“, „Sie tragen den Ruß gefallener Hochkulturen im Gesicht“. Deutsche, die sich süffisant ironisch als „Sturmtruppe“ bezeichen und von niedergegangen Hochkulturen schwärmen, sind sonst eher am Rande der Gesellschaft zu finden. Doch dort haben sich die Aktionskünstler längst herausgearbeitet. Allerhöchste Zeit also, dass man diese herausgeputzten Tungendprediger wieder dorthin zurück verbannt.
Ein Rest Vernunft hält derzeit wohlbnoch viele Zeitungen davon ab, den Wahnsinn des Zentrums offen zu befürworten. Doch immer wieder schwingt auch die Faszination für die „Von oben geplant, präzise platziert[en]“ Aktionen mit. Uns ekelt es jedoch nicht bloß davor, dass das Zentrum mit Toten hantiert, als seien es Mehlsäcke oder den Volksgerichtshof gegen die Rüstungsindustrie spielt. Diese Widerlichkeiten sind nur Ausdrücke des gährenden Wahnsinns in den Köpfen dieser Artisten.

„Aber wer, wenn nicht das Land der Holocaust-Täter, hätte eine moralische Pflicht, den Kampf gegen Genozid, Menschenrechtsverletzungen und Unrechtsregime offensiv zu führen?“, bringen die Künstler ihre politische Mission auf den Punkt. Anstatt ob der Shoa zu wünschen, die deutsche Nation möge niemals mehr auf einer Landkarte auftauchen, soll sie ihre Mission nun sozusagen über den zweiten Bildungsweg vollenden. Die Welt endlich vom Bösen, von dem ein nicht unerheblicher Teil der scheinbar moralisch verkommene Westen ist, reinigen. Offensiv, aggressiv und wunderschön. Da kann ja wirklich nichts schief gehen. Dieser Satz ist nicht anderes als eine um die Schuldabwehr nach der Shoa bereicherte Version des alten „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“. Was einmal mehr beweist, dass Deutsche immer noch eine Stufe widerlicher können.

Bei dem diffusen Gefasel über den großen, kommenden und den bereits geschehenen Genozid, das vielen der älteren Aktionen zugrunde liegt, wird  sich nicht nur klammheimlich von der deutschen Vergangenheit befreit, indem man sie in der allgemeinen Grausamkeit der Welt untergehenlässt. Es wird auch ein altbekannter Feind gefunden, der, mal direkt, mal indirekt, die Verantwortung für alles Schlechte in der Welt trägt. Der Westen.

Nicht weniger diffus als die vorgestellte Bedrohung ist das eigene Ideal, das nicht mehr ist als eine Aneinanderreihung hohler Phrasen der schlimmsten Kategorie. „Die menschliche Seele braucht das Gefühl von Größe, Schönheit, Gerechtigkeit und Anstand.“, heißt es in einem ihrer Texte. Von der esoterischen Schlagseite, die dieser völlig inhaltsleere, für idealistsiche Kleingeister aber sicher sehr erbauliche Unsinn hat mal ganz abgesehen, verschließt er sich eitel, wie alle, die auf ihre Tugendhaftigkeit Wert legen, vor der Erkenntnis, dass seit der Shoa jedem klar sein müsste, dass guter Wille und vorbildhaftes Getue nicht in der Lage sind Barbarei und Grausamkeit aufzuhalten. Menschen mit Waffen, die keine strahlenden Übermenschen sind, sondern sich in ihrem Kampf zumindest teilweise der Gewalt angleichen müssen, die sie bekämpfen, tun das.

Das Gute und das Schöne sind weder eins, noch sind sie gute Ratgeber für politisches Handeln. Nichts ist schön oder gut an Flächenbombardements, Häuserkampf oder dem Besitz von Atombomben. Dennoch ist all dies unbestreitbar das Richtige im Kampf gegen den Wahnsinn. Es ist das, was getan werden muss, damit alles nicht noch schlimmer wird. Auf keinen Fall sollten daher „Politikerinnen und Politiker, […] ihr Handeln daran orientieren, was politisch, historisch und moralisch unheimlich schön ist.“ Denn was das bedeutet, zeigt das Zentrum für politische Schönheit schon jetzt. Sinnlose, symbolische Akte, die aus jedem Übel noch persönliches, moralisches Kapital schlagen. Folgerichtig wird elegant geschwiegen, wenn das, was die Situation erfordert, dem eigenen Gusto von moralischen Übermenschentum nicht entspricht. So wird zwar die bedingungslose Aufnahme von Flüchtlingen gefordert, aber keine Intervention in die Konflikte, die sie flüchten lassen. So werden weiter zwar Waffenlieferungen an Saudi-Arabien kritisiert, aber nicht die dürftigen Waffenlierferungen an jene, die z.B. gegen den Islamischen Staat kämpfen. Auch eine Ehrung des Versuchs der USA im Irak Demokratie einzuführen, wird man vom Zentrum wohl niemals zuhören bekommen.
Die Haltung moralisch irgendwie über den Konflikten zu stehen, ist nicht nur blind für reale Lösungen, sondern offenbart auch, dass einem die realen Konfliktparteien eigentlich ziemlich egal sind. So interessieren sich die Künstlerclowns eben nicht für Syrien, den Irak oder Nigeria, sondern nur für Deutschland. So, wie sie sich nicht für die Probleme und Gedanken der Flüchtenden interessieren. Doch ihnen bloß vorzuhalten, sie seien Narzissten, verharmlost das Problem. Als echte Deutsche tun sie die Sache natürlich nicht einmal für sich selbst, sondern um der Sache willen. Es steht also zu befürchten, dass die Vorbildhaften tatsächlich glauben, sie verkörperten das Gute in der Welt.
In Deutschland rennen sie mit ihrem Gerede von moralischer Erneuerung ohnehin offene Türen ein. Im Land der preußischen Tugenden, das wohl nur aufgrund seines eingefleischten Fremdenhasses keine offene Faszination für die wahnsinnige Tugendhaftigkeit des Islams zeigt, ist mit moralischen Phrasen kaum jemand mehr zu erschrecken, dafür aber durchaus mit gnadenlos konsequentem und damit oft ekelerregendem Handeln hinter dem Ofen hervorzulocken. Obwohl sie sich gerne als unbequem und von der Presse geschmäht darstellen, greifen sie tatsächlich weder kontroverse Themen auf, noch stoßen sie auf nennenswert viel inhaltlichen Widerstand. Das Zentrum mahnt genau bei den Themen an, bei denen es sich mit der Mehrheit im Rücken weiß und zu denen selbst kleine Familienzeitschriften „kritische“ Beiträge haben. Probleme wie die Israelfeindschaft vieler Deutscher werden dagegen wohl lange darauf warten müssen, vom Zentrum beehrt zu werden. Wahrscheinlicher ist, dass Israels Kampf gegen den Terror in den ominösen „Genozid“ eingereiht wird. Damit hätte es auf jeden Fall die Mehrheit der Deutschen hinter sich. Denn, dass Juden irgendwie unmoralisch sind, weiß man im „Land der Täter des Holocaust[s]“ mit seiner Verantwortung für die Welt ohnehin.
Die Nähe zur Masse ist der postfaschistischen Aktionskunst schon ihrer Form nach eingepflanzt. Sie simuliert den Ausnahmezustand, in dem endlich alles möglich sein soll. Sie will sich in ihrer Begeisterung für „Kraft“ und „Ausdruck“ den demokratischen Spielregeln entziehen und mit der Gewalt einer höheren Macht die Politik anleiten. Keineswegs zufällig ist sie also das Medium der großen Erneuerer.

So ist es allerhöchste Zeit dieses Projekt für neue, deutsche Stärke als das zu benennen, was es ist. Ressentiment geladener Wahnsinn zusammengehalten von einem Weltbild, in dem der „barbarische Westen“ gegen eine „echte Zivilisation“, als deren Vertreter sich die Deutschen schon immer gesehen haben, ausgespielt wird. Dazu ein Vokabular,  das ganz in Sinne einer Idee „wahrer Kultur“ aus der Grabbelkiste des platonischen Idealismus stammt. Im Klartext: eine modernisierte, völkisch-mystische Bewegung mit etwas echtem Nazivokabular für den Nervenkitzel.

Freiheit fällt nicht aus dem Himmel „moralischer Schönheit“. Sie muss schmutzig und unfair erkämpft und verteidigt werden. Auch gegen verrückte Populisten wie das Zentrum für politische Schönheit.
Die mindeste Forderung für eine echte Verbesserung der Menschheit ist die Solidarität mit dem Kampf der freien Welt gegen den islamistischen und faschistischen Terror. Und nicht eine „moralisch schönere“ Außenpolitik.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Angesichts der „Alternativen Orientierungstage“ an der Universität Jena haben wir ein kleines Flugblatt verteilt:

Offenbar nehmt ihr an den alternativen Studieneinführungstagen teil. Wir raten dringend davon ab. Hier sind drei Beispiele, warum ziemlich viel von dem was ihr hier zu hören bekommt absoluter Blödsinn ist.

Antimilitarismus

Es ist eigentlich nur traurig, dass man es überhaupt noch einmal klarstellen muss. Kriegstechnik ist unter den heuten Bedingungen die einzige Garantie der Freiheit. Autoritäre Regime und Organisationen haben nie gezögert extreme Gewalt gegen ihre Feinde einzusetzen. Und zu diesen Feinden gehören auch die demokratischen Staaten. Und seit Deutschland in einem zähen Krieg, nicht zuletzt durch überlegene Waffen, niedergerungen wurde, gehört auch Deutschland zum militärischen Bündnis der wichtigsten demokratischen Staaten. Auch in Jena wird Technologie hergestellt, die den Nato-Staaten bis heute ihre militärische Überlegenheit sichert. Besonders in Zeiten, in der die Bedrohungen des kleinen bisschen Meinungsfreiheits, die es in der Welt gibt, mit Russland, dem Iran und dem Islamischen Staat wieder zunehmend militärische Dimensionen annehmen, ist es nicht nur blauäugig, sondern offene Kumpanei mit widerlichster Barbarei, ernsthaft zu verlangen, der Westen solle seine Militärforschung einstellen.
Egal ob die Veranstalter der „Alternative Einführungstage“ ihre Begründung nun aus blindem Idealismus, aus heimlichem Einverständnis mit den diktatorischen Regimen dieser Welt oder weil sie glauben die Waffen befänden sich in den Händen einer bösen Kapitalistenklasse ziehen. In Jena auf Abrüstung zu pochen ist nicht nur peinlich, sondern auch gefährlich.

(Anti-)Rassismus

Eine weitere Perle des Unsinns, der in diesen Einführungstagen erscheinen wird, ist der moderne Antirassismus. Unter dem Stichwort „critical whiteness“ bzw. „white privilege“ werden soziale Problematiken wie Zugang zu Bildung, Arbeit oder Gesellschaft wieder rerassifiziert. Allerdings unter umgekehrtem Vorzeichen, denn im Zentrum des Weltbilds von den kulturell zusammengehörigen Farbigen steht diesmal die Anklage gegen jene, denen eine Ausgrenzung anderer angeblich nützt. Die Weißen. Dass kein Weißer ein gutes Leben hat, weil er Schwarze diskriminiert und der Begriff „Privileg“ daher völlig absurd ist, ist dabei total egal. Denn so gerne erzählt wird, dass es bei den „Rassen“-Themen um soziale Gerechtigkeit geht, so ist kaum zu übersehen, dass es sich beim Einsatz für die „Bewahrung authentischer Kultur“ bzw. „Sichtbarmachung von Schwarzen“ um die gute alte rassistische Völkerschau handelt; nur eben, dass die deutsche Idiotie vom „edlen Wilden“ bis zur Absurdität durchgezogen wird.
Eine solche Absurdität ist das Gerede von „postkolonialen Verhältnissen“. Nicht nur wird dabei die antiimperialistische Phantasie neu aufgewärmt, dass der verdorbene Westen die guten Völker dieser Welt ausbeute und im Prinzip von der korrupten Regierung bis zum lokalen Völkermord für alles mehr oder weniger die Verantwortung trägt. Dieser rassistische Blödsinn wird noch um eine Ecke völkischen Denkens erweitert, indem betont wird, dass keine „Kultur“ der anderen überlegen ist und man deswegen jede respektieren müsse. Doch sind nicht Kulturen um ihrer selbst willen schützenswert, sondern ihre zivilisatorischen Errungenschaften. Und genau dort liegt das Problem. Viele „Kulturen“ sind barbarische Zusammenschlüsse widerlichsten Brauchtums, die für immer von der Erde gefegt gehören. Nichts ist schützenswert an Frauenbeschneidung, Körperstrafe und dem Hinrichten von Ungläubigen. Nichts daran ist zu respektieren, es ist zu bekämpfen. Denn, egal in welchem „kulturellen Kontext“, Menschen haben das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück. Unabdingbar. Dafür, ohne wenn und aber, und gegen jede „Kultur“ einzustehen, das ist Antirassismus.

Feminismus

Ein ebenfalls wichtiges Thema in der Einführungswoche ist der Feminismus. Dieser hat schon länger ein Legitimationsproblem. Denn trotz scheinbar eindeutiger Statistiken, ist Unterdrückung gegen die man mit kämpferischem Gestus vorgehen kann, in den westlichen Demokratien selten geworden. Feminismus heißt also meist Unterstriche oder Sternchen in Wörter pressen und bei Diskussionen inhaltlose Wortmeldungen à la, wie man sich selbst damit fühlt und dass hier ja schon wieder nur Männer reden, bringen, damit auch mal eine Frau was gesagt hat.
Um es einmal klar zu sagen. Es gibt kein mysthisches Band, dass die „Betroffenen des Patriachats“ im Kampf vereint, genau so wenig wie ihre vermeintlichen Herren.
Es war und ist in größeren menschlichen Gesellschaften stets schwer zu sagen, wem es mit welcher Rolle wie gut geht, wer welche Möglichkeiten und welchen Einfluss hat. Feminismus ersetzt die notwendige Analyse wie eine Gesellschaft aufgebaut ist durch ein einfaches Freund-Feind-Schema, das, wie auch immer es theoretisch aufgedröselt wird, nicht drumherum kommt Frauen eine besondere Stellung zuzusprechen. Kein, aber auch wirklich gar kein Feminismus kommt ohne die Annahme aus, dass Frauen es in der Gesellschaft aus Prinzip schwerer haben, was einfach nur gelogen ist.
Die Rechte und Möglichkeiten, sowie den Schutz vor Gewalt, ob auf der Straße oder häuslich, aller Individuen zu stärken, ist ein hehres Ziel, das hier keineswegs diskreditiert werden soll. Doch im Feminismus ist es zu gemeinschaftsstiftendem Unsinn verkommen, der in seiner arroganten Attitüde und seinen 2 bis 3 „eindeutigen“ Statistiken zu wissen glaubt auf der Seite des Guten zu stehen. Mitunter wird in absurden und widersprüchlichen Konzepten wie der Definitionsmacht daraus sogar reale Gewalt, die sich mal mehr, mal weniger willkürlich auf vermeintliche Feinde der Gemeinschaft entläd. Daher ist es leider mehr als bloß eine harmlose Spinnerei vom „Angriff auf männliche Privilegien“ zu faseln. Der Feminismus hatte immer schon eine Tendenz zu Phantasien erlösender Gewalt. So freundlich und verständlich das Anliegen der in den Einführungstagen kommenden, feministischen Vorträge also auch sein mag, es ist und bleibt eine wirre Ideologie voller ressentimentgeladener Bilder von Männern und Frauen, weit weg davon irgendwem zu einem besseren Leben zu verhelfen.

Wir hoffen mit unseren Randbemerkungen bei dir wenigsten etwas Skepsis gegenüber dem wahnsinnig lockeren, lustigen und pseudokritischen Treiben dieser alternativen Einführungstage geweckt zu haben. Weil wir das ganze aber nicht so persönlich nehmen, wünschen wir dir trotzdem viel Spaß.

Die Freiheit die wir meinen…

Angesichts der Bundesweiten „Freiheit statt Angst“ Demonstrationen haben wir ein kleines Flugblatt verteilt.

Die Freiheit die wir meinen…

Ein Plädoyer für den Kampf um die Demokratie

„Wahrscheinlich sollte man Sicherheitspolitikern wegen ihrer Neigung fast schon zwanghaft immer neue Sicherheitslücken finden und schließen zu müssen generell misstrauen. Denn wahrscheinlich reicht die parlamentarische Kontrolle dazu nicht immer aus, verfügt doch die Opposition ihrerseits über Sicherheitspolitiker, die sich in den Ausschüssen mit ihren Kollegen aus dem Regierungslager allzu schnell einig werden. Dieses Misstrauen sollte sich aktuell sicherlich auch gegen so manche Vorarbeiten aus dem Innenministerium und einige Einlassungen des Chefs und Vordenkers Wolfgang Schäuble richten. Es schadet also nicht auch außerhalb des Parlamentes wachsam gegenüber den Aktivitäten von Leuten zu sein, die „uns alle“ vor terroristischer Gefahr oder kriminellem Bandenunwesen schützen wollen.“1
Man sollte aber auch professionell aufgeregten, bürgerbewegten Aktivisten misstrauen, die bei jedem neuen Gesetzesvorhaben in Sachen Innere Sicherheit die Redefreiheit, die Demokratie und natürlich die Souveränität gefährdet sehen.

So stehen wir durchaus hinter dem Motto „Freiheit statt Angst“, doch meinen wir eben etwas ganz anderes. Wir wollen in Freiheit leben ohne von faschistischen und religiösen Banden regiert zu werden. Und das bedeutet, dass wir einen Staat brauchen, der uns vor eben jenen beschützen kann. Ob im Nahen Osten oder in Heidenau. Faschistische und islamistische Banden müssen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft werden. Anders kann Freiheit nicht existieren. Wir wollen keine Angst davor haben als Israelis von Antisemiten angegriffen oder aufgrund unserer Hautfarbe von Nazis durch die Gassen gejagt zu werden.

Die Ignoranz gegenüber echten Bedrohungen der Freiheit, also vor allem den islamistischen Mörderbanden, entspringt der mal offenen, mal versteckten der Kumpanei mit diesen Barbaren. Immerhin hat man einen gemeinsamen Feind, zufällig ausgerechnet die Nation, die im Gegensatz zu fast allen anderen historisch immer wieder für den Erhalt der Freiheit einstand, auch wenn es schmerzhaft war. Die Vereinigten Staaten von Amerika stellen scheinbar für die Teilnehmer dieser Demonstration die wahre Bedrohung der Freiheit dar. Der Wunsch sich von ihnen zu distanzieren ist nicht mehr als einen schlecht verdrängten Versuch, Deutschland endlich wieder unter die Nationen einzureihen, welche mit dem gerechten Zorn der Unterdrückten die Welt von den Zumutungen und der Komplexität der modernen Demokratie reinigen sollen. Die Freiheit, die sie meinen, ist die als bornierter Privatier bei der Jagd auf die imaginierten Verantwortlichen der unverstanden Verhältnisse der Moderne mitzumachen. Konkret bedeutet dies gegen Israel und die USA „aufzubegehren“. Doch das ist nicht die Freiheit, das ist ihr Ende.

Darum ziehen wir aus der Forderung „Freiheit statt Angst“ die Schlussfolgerungen:

Volle Solidarität mit dem „war on terror“!
Anbindung an die USA!
Verstärkte Unterstützung des israelischen Freiheitskampfes!

1) http://www.redaktion-bahamas.org/hefte/edit53.html

Nicht schubsen, ich habe einen Pudding im Rucksack

„Pulver zugeben und kräftig Umrühren“ – Antideutsche Linke

Es gibt inzwischen eine wachsende Fraktion klassischer, deutscher Linker, welche ausgesuchte Bruchstücke der antideutschen Kritik aufnehmen, um dann im wesentlichen weiterzumachen wie bisher.
Selbstverständlich sind solche Leute irgendwie pro-Israel, schließlich bekämpft man neben Rassismus, Sexismus, Kapitalismus, Nationalismus, Imperialismus, mehr Rassismus, Sozialchauvinismus, Umweltverschmutzung, Islamophobie, Ableism und noch mal Rassimus, auch Antisemitismus.
Treiben die Hamas oder der deutsch-islamische Mob es mal medienwirksam etwas zu doll, wird pflichbewusst auf Facebook ein Statement gegen Antisemitismus geteilt. Aber für allzu große Verwirrung sorgt das Phänomen nicht, schließlich will Flüchtlingen geholfen, die GDL unterstützt und Griechenland gerettet werden.
In Seminaren wird dann, sobald man etwas Zeit erübrigen kann, die historische Genese des Antisemitismus durchgekaut und noch mal erwähnt, dass die Frankfurter Schule dazu mal geforscht hat. Eine mehr schlecht als recht selbstkritische Behandlung linken Antisemitismus‘ folgt und schon hat man alles beisammen, um das Gezeter der Antideutschen über den Schwachsinn linker Politik nicht nur geflissentlich zu ignorieren, sondern sogar zum Gegenangriff zu blasen. Schließlich weiß man ja jetzt Bescheid über Antisemitismus und kann den neokonservativen Revolutionsverrätern kräftig erklären, dass die böse, bürgerliche Gesellschaft daran schuld ist. Steht ja angeblich auch in der Dialektik der Aufklärung. Also bleibt glücklicherweise alles beim Alten. Die Revolution muss schließlich organisiert werden, auch wegen dem Antisemitismus. Zweifel und Kritik, ja gar eine ablehnende Haltung gegenüber Bewegungen und dem fröhlichen Mitmachen in der aktuellen Politik stören da nur und so wird folgerichtig verkündet, dass die radikalen Antideutschen sich überlebt hätten. Man hätte ja gelernt, sei selbst auch irgendwie antideutsch, diese radikalen Ideologiekritiker hätten den Kampf um den Kommunismus längst aufgegeben und würden nur noch sinnlos und verflacht herumpöbeln, da ihre Rolle für die große, radikale Linke bereits geleistet sei.
Das kritische Potential einer konsequenten Kritik des Antisemitismus, eine damit verbundene Haltung der Skepsis gegen alle Politik, welche die Ideologie als Faktor der Politik nicht ernst nimmt, alles wird eingerührt in den trüben Brei linker, utopischer Vorstellungen und geht dort letztendlich unter. Am Rande sei erwähnt, dass diesen nur aufgrund eines echten Evergreens an Missverständinisen gegenüber dem was man so „Dialektik der Aufklärung“ nennt möglich ist. Sie wird eben nicht als eine prozesshafte Selbstkritik der Aufklärung verstanden, die es eines Tages ermöglichen soll, dass die Menschen in der Lage sind ihre Belange in die eigenen Hände zu nehmen, sondern als bloße Verkettung von Aufklärung und Mystizismus, mit denen das Schwert, das diesen Gordischen Knoten insgesamt durchschlagen soll, die soziale Revolution, natürlich nichts mehr zu tun hat.

Aber nicht nur dort wo es offensichtlich scheint, wie z.B. beim BAK Shalom in der Linksjugend[solid‘], findet man der Versuch alltägliche linke Praxis mit ihrem stumpfen Politik machen zu retten, indem man der Kritik an ihr ein klein wenig nachgibt.
Die Marginalisierung der radikalen Linken hat zu einer großen Menge intellektueller Kleinstprojekte geführt, die mangels einer Großpartei, der man sich unterordnen könnte, sich gegenseitig darin überbieten revolutionäre Grundsatzprogramme auf dem neusten Erkenntnisstand des Kommunismus zu formulieren. Und da gehört eben die neue Aufmerksamkeit für den Antisemitismus („leider“) inzwischen dazu, obwohl er oft und gerne Ausgelassen wird. Ein klares Bekenntnis zu Israel als Teil der eigenen Politik wird so gut wie nie erwähnt, geschweige denn, dass sie eine zentrale Erkenntnis der eigenen Gesellschaftskritik wäre. Wie immer ist die Revolution wichtiger. Ganz in diesem Sinne sehen sich die Revolutionsschreiber in der Rolle eines väterlichen Ratgebers für auch die letzte, sinnlose Hausbesetzung und selbst den judenfeindlichsten Flüchtlingsrat, der den revolutionären Subjekten ein wenig zeigt wie man „richtig“ für den Kommunismus kämpft. Die absurdesten Aktionen werden in ihren „Stützpunkten“, wie sie ihre schlechteren Büros und Konferenzräume nennen, mit Für und Wider durchdiskutiert, wobei das Ergebnis ohnehin immer das Selbe ist: „Die Bewegung muss unterstüzt und „kritisch“ begleitet werden.“ Auch konsequent antideutsche Gruppen sind einer solchen indiffereten Haltung nur garstige Kinder, die es auf den rechten Weg zu führen gilt. Nicht selten gestüzt durch völlig unreformierte freudsche Psychoanalyse, die sich so richtig clever vorkommt und in den endlosen Infantilisierungen ihrer Gegner doch nur zeigt, in was für einer traurigen und unreflektierten Krise eigener Autorität diese verhinderten „Parteiführer_Innen“ stecken.
Der strikte Negativismus, die radikale Ablehnung und der Unwille auch nur irgendeine Reaktionäre Tendenz durchgehen zu lassen, ist solchen linken „Think Tanks“ nur lästig. Ist es dem Traum von der eigenen kommunistischen Bewegung doch alles andere als zuträglich, wenn man es sich ständig mit allen verscherzen muss.

Niemand lässt es sich aber dabei nehmen als eben nicht nur gefeit gegen die antideutschen Kritiker, sondern ihnen sogar überlegen zu dünken. Von den postmodern angehauchten, linken Pseudointellektuellen, die ohnehin alles bedenken und zusammenhangslos verwursten, über moderate Linke, die Kontakte auf allen Seiten behalten wollen, bishin zu den verschrobenen Antiimperialisten der ehemaligen TAN, jetzt „Assoziation Dämmerung“, will jeder ideologiekritisch sein. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie die kompromisslose Kritik, die sie wenigstens oberflächlich zur Anpassung zwingt, in ihrer Konsequenz, der Absage an alles Tun der deutschen Linken, scheuen oder gar offen verachten. Und so fallen sie trotz der Leier von Lernprozess und der öfter betonten als beachteten Berücksichtung der Besonderheit Auschwitz schnell wieder in alte Muster zurück. Sie treten gegen TTiP auf, solidarisieren sich mit den Seperatisten in der Ukraine, stehen bei peinlichen Hausbesetzungen in der ersten Reihe oder engagieren sich mit Flüchtlingen gegen die Nato. Dafür,dass gegenüber ihren antideutschen Kritikern ständig betont wird, wie wichtig der Bruch von Auschwitz für ihre Gesellschaftkritik sei, kommt in ihren Schriften und Taten der alltäglichen Poltik erstaunlich wenig vor. Die Juden verteidigen sich ja schon selbst, also ist der Punkt auf dem Weg zur Revolution an sich ja auch schon wieder abgehakt. Die Behandlung des islamischen Faschismus erschöpft sich in peinlichen und bedenkenlos völkischen Solidaritätsaufrufen für die Betonkommunisten von der PKK in Kobane. Solcherlei Linken ist die Niederringung der reaktionären Tendenzen nicht Vorbedingung und zugleich reale Basis jeder allgemeinen Emazipation, sondern höchsten Mittel zum Zweck für die Popularität ihrer stumpfen Propaganda für Betriebsbesetzungen und basisdemokratische Elendsverwaltung.
Dagegen gilt es jede heimliche Akzeptanz reaktionärer Tendenzen durch Linke, jedes Nachordnen des konsequenten Antifaschismus unter „größere“ Ziele zu denunzieren. Das wäre antifaschsitische Aktion, das wäre Zuarbeit für eine freie Gesellschaft. Alles andere ist bestenfalls sinnlos, oft sogar gefährlich.

„In kleinere Schüsseln füllen, auskühlen lassen und servieren“ – Linke Antideutsche

Aber nicht nur sich reformiert dünkenden Linken fallen die albernen und sturen Antideutschen auf den Wecker. Der Wunsch mit dem anstrengenden und unbefriedigenden Geschäft der radikalen Kritik Schluss zu machen, hat seine Entsprechung auch unter denen, die inhaltlich auf klare Distanz zur deutschen Linken gegangen sind.
Von kleinen Antifagruppen bis zu größeren antideutschen Bündnissen wird an allen Ecken zum Rückzug geblasen. Rückzug freilich eher auf dem Gebiet der Kritik, denn die Unlust sich auf zähe, inhaltliche Auseinandersetzungen einzulassen wird wesentlich durch einen eher verflachten Aktivismus kompensiert. Besonders gut für einen solchen Rückzug eignet sich scheinbar das Feld der klassischen Antifa. Ob man nun seine Aufgabe im Anlegen von Kartein, stumpfen Mobilisierungsvideos oder in der Fahrt in rassistische Käffer findet, es bleibt ein, immerhin respektables, Abstellgleis antideutscher Kritik. Offen spricht aus der Fixierung auf „praktische Probleme“ dem „an der Basis arbeiten“ der Wunsch den ganzen kontroversen, philosophischen Kram endlich runterzuschlucken und wieder geordnete Verhältnisse einkehren zu lassen.
Bei Kleinstadtantifas wird lieber gegen lächerliche Naziaufmärsche mobilisiert als sich den Ärger zu geben, den es bedeutet, die Gegendemonstranten einmal kritisch zu beleuchten. Hier macht sich der Wunsch breit die komplizierten und unbefriedigenden Auseinandersetzung mit den Linken aufzugeben und sich auf die Punkte zurückzuziehen, über die sich kaum streiten lässt.
Doch darf man nicht den Fehler machen und dies für einen wenigstens schadlosen Ruhestand ermüdeter Geister zu halten. Hier wird sich von radikaler Kritik abgewendet und geschäftige Idenditätspflege betrieben, die nicht mehr Ergebnis, sondern maximal Basis einer allgemeinen Kritik sein soll. Eine Kritik, die in den professionellen, kleinen Aktionsgruppen leider keiner mehr leistet.
Auf der anderen Seite tummeln sich städtische Gruppen, die krampfhaft versuchen im Zugzwang des politischen Alltagsgeschehens mehr zu sein als nur Randfiguren. Dabei wirken sie immer etwas verzweifelt, schwimmen sie doch in Gewässern, in dem der Strom (schon per Definition) stets stärker ist. Da hier versucht wird massenwirksam zu arbeiten, verkommt die Kritik schnell zu einer Verbalradikalität. So sehr diese sich auch weigert wie ihr provinzieller Vetter in den allgemeinen Trott zu treten, so sehr lässt sie dann doch oft genug darauf warten was eigentlich „hinter“ ihren Parolen und Flugblättern kommen soll. Dafür ist halt in Demoaufrufen wirklich kein Platz.
Egal ob urban oder provinziell, die ständige Aktivität schreit nach Disziplinierung, die inhaltliche Selbstaufgabe nach Rechtfertigung durch Erfolg. Beides scheint auf, wenn diese „Praktiker“ in ihren Aufrufen mit „verbindlicher Organisierung“ drohen. Die Firma soll liefern und nicht bloß herumsitzen und nachdenken. Denn wenn man damit anfängt, stört man entweder den organisatorischen Ablauf, der doch überlebenswichtig ist, oder man stößt eventuell vielen Leuten vor den Kopf für deren Sympathie man doch so hart gearbeitet hat.

In einem sind sich alle hier gezeigten, traurigen Schicksale antideutscher Kritik ziemlich einig. Der Negativismus, die Streitbarkeit, das schwer zu planende und kaum gewinnbringende Vorzeigbare der antideutschen Kritik, der ganze philosophische Kram eben, er muss weg.
Was her muss sind einfache Ziele, eine Organisation und eine Theorie, die nicht sehr streibar, dafür aber scheinbar leicht durchzusetzen ist. Das ist keine „Erneuerung“ oder „Miteinbeziehung“ antideutscher Kritik, das ist ihr Grab.

Gegen diese Versuche, die radikale Kritik und ihre Politik des kompromisslosen Antifaschismus zu beenden, gilt es daran festzuhalten, dass jede Abkürzung, jedes formelhafte Bekenntnis keinen Forttschritt, sondern einen Rückschritt in der Kritik bedeutet. Dagegen wäre auf der zähen und unversöhnlich Haltung, die eine Gesellschaftskritik erfordert, zu beharren. Anerkennung, Freude und Genuss wird man wohl oft an anderen Stellen suchen müssen.

Willkommen im Ödland

Kommentar zur Kampagne „Wer braucht Feminismus?“

Das Gleichstellungsreferat der Universität Jena hat Stellwände mit Fotos, auf denen Leute in ein bis zwei Sätzen erzählen warum sie Feminismus brauchen, aufgestellt. Wer auf gute Gründe für die Sache der Rechtschaffenden hofft, dem steht eine Enttäuschung bevor, denn das Ergebnis ist niederschmetternd.

Die Gründe schwanken zwischen ödem Karrierewunsch und stumpfem Idealismus. Im Großen und Ganzen gibt es dabei drei Kategorien: Karriere, „Selbstbestimmung“ und, dass irgendwie die Gesellschaft besser werden soll. Der Mischmasch an Gründen legt bereits nahe, dass Feminismus hier als „irgendwie für Frauen sein“ verstanden wird.

Natürlich ist der Klassiker „mehr Frauen in Führungspositionen“ dabei. Eine lang gehegte feministische Forderung, liegt doch die Ungerechtigkeit aufgrund der einseitigen Statistik offen zu Tage. Eine Forderung, welche die Probleme des modernen Feminismus sehr gut zusammenfasst. Zum einen sei an dieser Stelle einmal darauf hingewiesen, dass Führungsposten, die diesen Namen verdienen rar gesät sind und sich daher etwa genauso viele Männer wie Frauen nicht in Führungspositionen befinden. Die Gesellschaft soll halt weiterleben wie zuvor, nur unter repräsentativer Führung. Wer das für die Spitze von Freiheit und Selbstverwirklichung hält, der hat auch jetzt schon das traurige Leben, das er sich wünscht. Fehlt eigentlich nur noch Guido Westerwelle mit einem Schild, das behauptet: „Ich brauche Feminismus, denn Leistung muss sich wieder lohnen“.

Apropos Selbstverwirklichung. Neben der Karrieristischen „Chancengleichheit“ ist auch die Selbstbestimmung scheinbar ein wichtiger Grund. Nun könnte man ganz trocken zu bedenken geben, dass den meisten Menschen für ihre Selbstbestimmung wohl mehr das Geld, als der Feminismus fehlt, aber die Selbstbestimmung, von der in der Ausstellung die Rede ist, hat noch einen perfideren Einschlag. „Den Vätern steht die Welt offen“, so verkündet es eine der Dargestellten. Das den Vätern die Welt offen stehen würde, ist eine recht durchschaubare Lüge, die jedoch noch einmal gut zeigt, dass die feministische Vision oft nichts anderes beinhaltet, als den traurigen Status quo. Ja mehr noch, dieser Wahnsinn wird mit dummen Phrasen wie „die Welt steht einem offen“ zum Paradies verklärt.

Aber auch wenn die kleinmütigen Karrieristen versuchen große Probleme anzugehen, wird es nicht besser. „Ich brauche Feminismus, weil unsere Gesellschaft noch lange nicht gerecht ist.“, verkündet ein Abgebildeter. In grundsätzlichem Wiederspruch zur jetzigen Verfasstheit dieser („unserer“) Gesellschaft steht sein Gerechtigkeitsbegriff scheinbar nicht. Es ist wieder nur eine scheinbar gleichmäßige Verteilung der traurigen bestehenden Ordnung. Das soll dann wohl die von den Besuchern vielbeschworene „Solidarität“ sein. Aus jedem der abgebildeten Statements spricht langweiliges „Einverstanden sein“.

Da alles um die Unmöglichkeit von Identitätsverwirklichung kreist, wird echte Unterdrückung folgerichtig auch nicht weiter erwähnt.
Es gibt ja durchaus schreckliches, was Frauen und Mädchen überall auf der Welt angetan wird, das ihnen durch konkrete Gewalt jede menschliche Regung austreibt. Doch davon kein Wort. Kein Wort vom Sklavenhandel des Islamischen Staates, kein Wort zu weiblicher Genitalverstümmelung und kein Wort zu Zwangsehen. Wozu auch, wenn diese Frauen auch mit Menschenrechten kaum eine Chance auf Führungsposten hätten?

Nachtrag:
Da die Ausstellung ganz im Sinne der postmodernen Integration ins Kollektiv zum Mitmachen gedacht war, hingen zuletzt auch ein paar ernstere Probleme an den Stellwänden. Von der Ausstellung selbst waren sie nicht angesprochen worden und einen großen Teil der Besucherbeiträge machten sie auch nicht aus. Aber natürlich ist der Feminismus damit ganz klar gerettet und unsere Polemik einfach nur gelogen. Shame on us.